Willkommensfeier mit Papst Franziskus in Panama

Willkommensfeier mit Papst Franziskus in Panama

Zweite Deutschsprachige Katechese mit Weihbischof Jörg Michael Peters

Ich bin kein Luxuspilger. Aber in Panama ist das Taxifahren so günstig, dass ich mir heute früh ein Taxi zu unserer Katechesenschule gegönnt habe. Für zwei bis vier Dollar (je nachdem, wie gut man verhandelt) kommt man hier schon einige Kilometer weit. Somit komme ich auch rechtzeitig zur Katechese an, welche heute vom Team aus dem Bistum Paderborn gestaltet wird. Nach einem kleinen Icebreaker Spiel mit Luftballons startet die Katechese, welche heute Weibischof Jörg Michael Peters aus Trier hält. Er spricht zum Weltjugendtagsmotto „Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie Du es gesagt hast“. Wie ist das „Ja“ Mariens zu verstehen, was steckt dahinter? Bei ihrer Zusage geht es nicht um eine Selbstversklavung oder um ein Anbiedern. Das Fiat Mariens ist ein sanftes, aber bedachtes Ja. Kein feuriges, impulsives Ja. Er drückt es mit dem Spanischen „por que no?“ – warum nicht? aus. Gott, wenn Du selbst es bist, der mir diese Frage stellt – warum nicht? In diesem Vertrauen auf die Treue Gottes, die für uns alle unwiderruflich gilt, können auch wir unser „por que no“ sprechen.

Zum Abschluss der Katechese hören wir noch ein sehr emotionales Zeugnis vom 31-jährigen Matthias. Er erzählt von der Leidensgeschichte seiner Mama, die im März diesen Jahres an Lymphdrüsenkrebs gestorben ist. Und die daraus folgenden Leiden und Schmerzen in seiner Familie. Aber auch die Hoffnung. Seine Mama ist am Palmsonntag gestorben. Die anschließende Woche war für Matthias und für die ganze Familie im wahrsten Sinne des Wortes eine Karwoche, eine Zeit des Leidens und der Schmerzen. Aber mit dem Ostersonntag und der Auferstehung habe er neuen Mut gefasst. Ich bin sehr berührt, denn ich kann nur allzu gut nachvollziehen, wie Matthias sich fühlt. Meine Mama ist im November 2012 nach einem harten Kampf gegen den Krebs gestorben. Bei der anschließenden Austauschrunde setze ich mich zu Matthias, keine fünf Minuten später setzt sich ein junges Mädchen zu uns. Auch ihre Mama kämpft aktuell gegen den Krebs. Trotz dieser traurigen Umstände war es doch sehr bewegend, wie sehr uns Drei diese gemeinsame Erfahrung verbunden hat. Matthias und Sophie kennenlernen zu dürfen, war heute ein sehr großes Geschenk für mich. Danke. Der anschließenden Heiligen Messe steht Marc Camille Michel Stenger, Bischof von Troyes in der Champagne, vor. Während der Messe bin ich jedoch noch zu berührt von meinem Gespräch mit Matthias und Sophie, daher kann ich an dieser Stelle leider nicht viel aus der Predigt berichten.

 

Die Mittagspause nutze ich für eine kurze Auszeit, die letzten Tage und die Kombination aus Hitze, wenig Schlaf und langen Fußmärschen hat Spuren hinterlassen. Und dank des Weltklasse Teams von Radio Horeb, welches mir Obdach in ihrer Pension gewährt hat, habe ich einen guten Rückzugsort. Vergelt´s Gott, dass ihr mich so herzlich aufgenommen habt. Schließlich muss die Medien-Familie ja zusammenhalten 😊.

Papst Franziskus begrüßt die Weltjugendtagspilger an der Cinta Costerra

Nach meiner Ruhepause beginnt die abenteuerliche Reise zur Cinta Costerra, auf welcher die Willkommensfeier mit Papst Franziskus stattfindet. Die nachfolgende Geschichte schildert typische Ereignisse, wie sie nur auf einem Weltjugendtag passieren können: Selbst mit Hilfe von Google Maps ist es nicht immer ganz einfach, den richtigen Weg zu finden, insbesondere wenn in der Innenstadt Straßen gesperrt und umgeleitet sind. An der Bushaltestelle sehe ich eine Pilgergruppe in roten T-Shirts mit den fett aufgedruckten Lettern E S M. Die kenne ich doch! Richtig: ESM steht für Emanuel School of Mission. Ich denke mir, die werden schon wissen wo es langgeht und folge der Gruppe. Ich spreche ein junges Mädel an, sie heißt Hanna und kommt aus Deutschland. Ihre Gruppe ist jedoch aus New York, sie verbringt dort ein Jahr in der ESM NYC. Am Cinta Costerra angekommen, sind alle Einlässe natürlich gnadenlos überfüllt. Gar nicht so falsch, dass unsere JUGEND 2000 Truppe immer vorsorglich mit mehreren Stunden Puffer vor Veranstaltungsbeginn lospilgert. Durch Schleichwege gelingt es uns, auf die Cinta Costerra zu kommen, sogar ganz ohne Sicherheitskontrolle. Just in dem Moment, in welchem wir durch eine Seitenstraße in die Menge schlüpfen, stellt die Polizei hinter uns Absperrungen auf. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wie finde ich jetzt meine Gruppe? WhatsApp & Internet sind überlastet. Ganz unerwartet läuft Caro aus unserer Gruppe von der rechten Flanke in mich rein. Auch sie ist mit drei anderen Pilgern separat angekommen. Keine zwei Minuten später stehen drei weitere Leute aus unserer Pilgergruppe neben uns, ebenfalls auf eigene Achse unterwegs. Das müsst ihr euch einmal vorstellen: In einer sich ständig bewegenden, drückenden und zerrenden Masse von geschätzten 100.000 Leuten treffen auf einmal acht Leute aus einer Gruppe unabhängig voneinander auf einem Fleck zusammen. Aber es geht noch weiter: Wir beten gemeinsam den Rosenkranz, als plötzlich die Menge hinter uns tobt und applaudiert. Wir drehen uns um, und wen sehen wir? Papst Franziskus in seinem Papa Mobil, der durch die abgesperrte Straße in nur wenigen Metern Sichtweite an uns vorbeifährt. Also besser hätte man das alles nicht planen können. Es gelingt uns anschließend, relativ weit nach vorne zu kommen, sogar einen direkten Blick auf die Bühne können wir ergattern. Papst Franziskus eröffnet seine Ansprache, ich habe einen Kopfhörer mit englischer Übersetzung im Ohr.

Drei Key-Takeaways nehme ich für mich mit (nachfolgend meine eigene freie Übersetzung):

  • Papst Franziskus sagt: „Christianity I a person”. Christentum ist eine Person – Jesus Christus.
  • Das Zeugnis des Weltjugendtages werden keine umfangreichen Protokolle oder Dokumente sein. Das Zeugnis werden unsere Gesichter sein. Die Liebe und das Licht, welches wir vom Weltjugendtag mit nach Hause zu den Menschen nehmen.
  • Wir sollen Brücken bauen – keine Mauern. Der Teufel will Angst säen und uns entmutigen und auseinanderbringen. Lasst uns Brücken bauen!

Heute wird mir zum ersten Mal so richtig bewusst, was für ein guter Redner Papst Franziskus ist. Inhaltlich ebenso wie auch rhetorisch. Nach dem päpstlichen Segen bricht die Menge in Jubel aus. Aus allen Ecken hört man die berühmten Weltjugendtagsrufe „Esta es la juventud del papa“ – das ist die Jugend des Papstes! Auf dem Rückweg flitzt Papst Franziskus nochmal mit dem Papa Mobil an uns vorbei, wieder in unmittelbarer Sichtweite. Eine sehr gelungene Eröffnungsfeier.

Rooftop Party in der Altstadt von Panama

Mitteweile hat sich die Abenddämmerung eingestellt, Musik, wedelnde Fahnen und tanzende Pilger überall auf den Straßen. Wir treffen auf den restlichen Teil unserer Gruppe und planen die Optionen für die Abendgestaltung. Da ich bislang noch nicht in der Altstadt von Panama war, schließe ich mich einer kleinen Gruppe an, die sich auf den Weg dorthin macht. Eine gute Entscheidung. Ich bin sehr beeindruckt von der wunderschönen Altstadt, den kleinen Gassen, den Cafe´s und Bars, der Kathedrale und den Blick auf die Skyline. Das euphorische Pilgertreiben sorgt zusätzlich für eine tolle Kulisse. Auf einer Rooftop Bar mit einem sagenhaften Ausblick auf Panama City treffen wir auf weitere Mitpilger. Bei einem Bierchen tauschen wir uns über bisherige Erlebnisse bei Weltjugendtagen aus, diskutieren über den Straßenverkehr in Panama und sprechen auch über Themen, die wir aus den vergangenen Tagen in den Katechesen gehört haben. Nun muss ich mich aber langsam auf den Heimweg machen, leider habe ich keinen eigenen Schlüssel für die Unterkunft. Ich muss also klingen. Aber das fleißige Team von Radio Horeb und Radio Maria ist zu später Stunde immer noch am Arbeiten, so dass ich ohne Probleme reingelassen werde. Laptop auf, Blog schreiben, schlafen gehen. Gute Nacht.