Zeugnis vom Weltjugendtag in Krakau

Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden

Zeugnis

Tage der Begegnung in der Diözese Breslau

Traditionell begann für unsere Gruppe von 450 Jugendlichen der JUGEND 2000 der Weltjugendtag mit den Tagen der Begegnung, welche wir in der Diözese Breslau, auf Polnisch Wrozlaw, verbringen durften. Das polnische Sprichwort „Gast im Haus, Gott im Haus“, erlebten wir hier in der fantastischen Gastfreundschaft unserer Gastfamilien. Wir verbrachten insgesamt nicht viel Zeit mit ihnen, aber in den Stunden, die wir in ihrem Haus waren, wurden wir unglaublich gut unterhalten, versorgt und verköstigt. So wurde bei den einen die Arbeitszeit verlegt, bei anderen der Enkel eingeflogen, der Deutsch versteht, und wir lernten die kulinarische Seite Polens kennen. Gleich zum Frühstück bekamen wir Bratwurst mit Senf vorgesetzt, wahlweise mit Brot oder Gemüseeintopf, was unglaublich lecker, aber morgens früh um sieben Uhr doch etwas gewöhnungsbedürftig war. Natürlich kam in diesen Tagen auch das geistliche Programm nicht zu kurz. Gleich am ersten Tag fuhren wir in die Stadt Breslau, um dort durch die Heilige Pforte zu gehen und mit den anderen deutschen Jugendlichen, die in Breslau zu Besuch waren, die Heilige Messe zu feiern. In der Anbetung in der Pfarrkirche unserer Gastpfarrei hatten wir dann gemeinsam mit unseren Gastfamilien die Möglichkeit, die Tage wieder in Jesu Hände zurückzulegen, ihm zu danken und da wir einen sowohl deutsch als auch polnisch sprechenden Diakon in unserer Gruppe hatten, war auch diese Stunde international gestaltet. Der Abschied fiel uns allen nicht leicht und wir wurden von unseren Gastfamilien eingeladen, wieder zu kommen, wann immer wir in Polen sind.

Krakau: Begegnungen mit Papst Franziskus

 

Und dann ging es endlich los. Nach Krakau. In die Stadt des heiligen Papstes Johannes Pauls II. und der heiligen Sr. Faustina. Wie lange hatten wir darauf gewartet und hin gefiebert! Und schon beim Betreten der Schule, unserer Unterkunft, spürte man: das ist jetzt Weltjugendtag: Pilgerrucksäcke, Pilgerausweise und Essensmarken wurden verteilt, Schlafsäle und Turnhallen füllten sich schnell und auch die ersten Wartezeiten beim Duschen standen an. Daneben aber war spontaner Lobpreis zu hören, überall liefen Jugendliche mit frohen und lachenden Gesichtern herum und in der Stadt wurde man in allen möglichen Sprachen begrüßt. Wie beim Weltjugendtag üblich trafen auch wir uns vormittags mit deutschsprachigen Bischöfen, die uns Katechesen zum Thema Barmherzigkeit, dem Motto des diesjährigen Weltjugendtags, hielten und mit denen wir anschließend gemeinsam die Heilige Messe feiern durften. Mir persönlich ist besonders die Katechese „unseres“ Augsburger Weihbischofs Florian Wörner zu den leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit im Gedächtnis geblieben. Weihbischof Wörner ermutigte uns, dass wir uns Wissen aneignen, um Unwissende lehren zu können, und dass wir Liebesdienste tun und diese dem Herrn aufopfern, indem wir Kranke besuchen oder Lästige ertragen. Nicht nach dem Sprichwort „Wie du mir, so ich dir“ sollen wir handeln, sondern viel mehr danach, „Wie Gott mir, so ich dir.“

Höhepunkte unserer Zeit in Krakau waren aber sicherlich auch die Treffen mit unserem Heiligen Vater, Papst Franziskus. Viermal machten wir alle uns auf den Weg, ihn zu treffen und seine Worte an uns zu hören. Der Heilige Vater ermutigte uns, den Weg mit Jesus zu gehen, er sagte uns, dass Jesus auf uns zählt, dass wir Brücken bauen dürfen und sollen. Und hier kommt das Sofa ins Spiel. Papst Franziskus schilderte uns eine Lähmung, „die aufkommt, wenn man das Glück mit einem Sofa verwechselt!“, mit einem Sofa, von dem wir glauben, dass wir es brauchen, um glücklich zu sein, um Erholung, Entspannung und keine Probleme zu haben. Der Papst aber forderte uns auf, nicht die anderen für uns entscheiden zu lassen, sondern selbst aufzustehen. Wir sollen uns Schuhe anziehen, „um eine Spur zu hinterlassen“. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass wir ein Risiko eingehen, dass wir Mut haben, andere Wege zu gehen, Wege, „die du dir nie erträumt hast und die du dir nicht einmal vorstellen konntest: Wege, die neue Horizonte eröffnen können, die fähig sind, Freude zu übertragen – jene Freude, die aus der Liebe Gottes hervorgeht, die Freude, die durch jede Geste, durch jede Haltung der Barmherzigkeit in deinem Herzen verbleibt“. Was für eine schöne Hoffnung! Und dies alles zu tun, sind wir fähig durch den Heiligen Geist, den Jesus uns gesandt hat. Jesus ruft uns, er „will deine Hände, um mit dem Aufbau der Welt von heute fortzufahren.“ Mit diesen eindrücklichen Worten ließ uns Papst Franziskus schließlich auf dem Campus Misericordiae, wo wir die Nacht vor der Abschlussmesse verbrachten. Auf diesem Feld, das ungefähr so groß wie 200 Fußballfelder war, lag trotz 3 Millionen Jugendlicher ein großer Friede und eine Ruhe in der Nacht. Und schließlich feierten wir am nächsten Morgen mit Papst Franziskus die Abschlussmesse. Ich würde sie als Aussendungsmesse bezeichnen, denn wir dürfen nun den Geist des Weltjugendtags hinaus in die Welt tragen. „Der Weltjugendtag […] beginnt heute und geht morgen zu Hause weiter, denn dort will Jesus dir von nun an begegnen.“ Wir sollen das Gebet im Herzen behalten und die Heilige Schrift als „Navigator auf den Straßen des Lebens“ nehmen, ermutigte uns der Heilige Vater.

Entspannen an der Ostsee und mein Fazit

Nach diesen beiden eindrücklichen Tagen auf dem Campus Misericordiae war es für einige von uns Zeit, nach Hause zurückzukehren. Der zweite Teil der Gruppe verbrachte noch einige erholsame Tage an der Ostsee. Hier durften wir im Geist des Weltjugendtags weiterleben und begannen den Tag mit Morgenlob, hörten vormittags Katechesen und Zeugnisse, feierten die Heilige Messe (einmal sogar am Strand) und hielten Anbetung. Dieser dritte Teil der Fahrt diente aber auch der Gemeinschaft und der Erholung und so verbrachten wir die Nachmittage am Strand, veranstalteten Fußball- und Volleyballturniere und sogar ein Tanzkurs wurde angeboten. Als Mitglied der Band ist mir vor allem auch das Lobpreiskonzert in Erinnerung geblieben, bei dem es so schön war, die Freude und den Jubel in den Herzen und Gesichtern der Jugendlichen zu sehen und in ihrem Lobpreis zu hören.

Aber auch die schönste Reise geht einmal zu Ende, und so machten wir uns schließlich auf den Heimweg, welchen wir allerdings erst endgültig antraten, als wir die große Christus-König-Statue in Świebodzin besichtigt hatten, die mit 36 Metern Höhe die größte Christusstatue der Welt ist. Ein absolut großartiges Abschluss-Highlight für uns!

Für mich war es der erste Weltjugendtag, den ich besuchte und viele fragen mich, ob meine Erwartungen erfüllt wurden. Aus Erzählungen wusste ich, dass sehr viele Menschen kommen werden, dass die Vigil auf dem Abschlussfeld sehr stimmungsvoll gestaltet sein wird, dass Papst Franziskus zu uns sprechen wird und dass man überall lachende gläubige Jugendliche treffen wird. Und so war es auch: Mich hat es ermutigt zu sehen, wie jung und voller Feuer unsere Kirche ist und wie viele Menschen täglich Zeit in der Anbetungskirche verbrachten. Die Worte, die Papst Franziskus an uns richtete, waren auffordernd und voller Hoffnung auf die Kraft und den Glauben von uns Jugendlichen. Ein besonderes Highlight für mich war auf dieser Fahrt der Lobpreis, bei dem ich spüren durfte, wie ich daraus Kraft und Mut schöpfe und merkte, wie ich von Gott geführt wurde, wenn ich ihm nur alles anvertraute.