Als der Heilige Geist Sydney entzündete

Sydney Weltjugendtag

Ein Aufbruch ins Unbekannte

Im Juli 2008 hieß es für die JUGEND 2000: Koffer packen für das größte Abenteuer unserer bisherigen Geschichte. Das Ziel? Sydney, Australien. Ein Weltjugendtag am buchstäblich anderen Ende der Welt. Mit 175 Teilnehmern, darunter 13 Priester, machten wir uns auf den Weg. Schon der Abflug am Frankfurter Flughafen war legendär: Ein kräftiger Lobpreis hallte durch das Terminal, bevor wir in den Flieger stiegen. Über Bangkok – inklusive einer 12-stündigen Stadtrundfahrt und einer Messe in der St. Louis Kapelle – ging es weiter über den Ozean, bis wir schließlich die australische Erde berührten.

Naturwunder und tiefe Begegnungen

Bevor der eigentliche WJT in Sydney startete, tauchten wir tief in die Weite des fünften Kontinents ein. Unser Vorprogramm führte uns in den Penrose Park zum Marienheiligtum „Unserer Lieben Frau der Barmherzigkeit“. Dort, inmitten der australischen Natur, feierten wir unseren Anfangsgottesdienst und trugen das WJT-Kreuz in einer Prozession zur Lourdesgrotte.

Die Highlights jagten sich: Wir bestaunten die majestätischen Blue Mountains, erkundeten die riesigen Jenolan Caves (wo wir sogar eine Messe in einer Höhle feierten!) und lernten im Muru Mittigar Zentrum die faszinierende Kultur der Aborigines kennen. Die Tage der Begegnung verbrachten wir an der Sunshine Coast in der Erzdiözese Brisbane. Die Gastfreundschaft der Australier in Maroochydore war überwältigend. Zwischen dem Baden im Pazifik und dem Kennenlernen der entspannten „Aussie“-Lebensart blieb immer Raum für das Wesentliche: Lobpreis, Anbetung und Abende der Versöhnung.

Sydney: Eine Stadt wird zum Heiligtum

In Sydney angekommen, bezogen wir unser Quartier in einer Schule nahe dem Zentrum. Die Stadt war elektrisiert. Über 500.000 Jugendliche aus allen Nationen fluteten die Straßen. Unvergessen bleibt die Willkommensfeier für Papst Benedikt XVI. im Hafen von Sydney – eine Kulisse, die schöner nicht hätte sein können. Ein absolutes Highlight war der Kreuzweg am Freitag: Die Passion Christi wurde mitten im Stadtzentrum, vor dem berühmten Sydney Opera House und in den Parks der Stadt, so realitätsnah und imposant inszeniert, dass man die Erschütterung der Menge förmlich greifen konnte.

Das Motto: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“

Papst Benedikt stellte den WJT unter das kraftvolle Motto aus der Apostelgeschichte: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg 1,8). In seinen Predigten rief er uns auf, Boten einer neuen Ära zu sein – einer Ära, in der die Liebe nicht egoistisch ist, sondern sich verschenkt.

Die Nacht der Lichter in Randwick

Der Höhepunkt war die Vigil auf der Pferderennbahn von Randwick. Als die Nacht hereinbrach und eine halbe Million Kerzen entzündet wurden, verwandelte sich das Gelände in ein endloses Lichtermeer. Papst Benedikt forderte uns auf, dieses Licht in die Welt zu tragen. Wir schliefen unter dem Kreuz des Südens – dem Sternenhimmel der Südhalbkugel – und feierten am nächsten Morgen die große Abschlussmesse.

Ein Erbe, das bleibt: Judith & Simon

Dass ein Weltjugendtag Leben verändert, zeigt die Geschichte von Judith und Simon besonders schön: Die beiden lernten sich auf dieser Fahrt nach Sydney kennen. Aus der gemeinsamen Begeisterung für den Glauben und das Abenteuer Australien wurde mehr – seit 2015 sind sie verheiratet. Ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Gott auf diesen Reisen nicht nur Herzen berührt, sondern auch Lebenswege zusammenführt.

Weltjugendtagsstimmung in der Heimat: Das Camp in Erding

Während wir in Sydney schwitzten, wurde es auch in Bayern heiß: Parallel fand in Erding ein WJT-Camp für alle statt, die nicht mitfliegen konnten. Mit Liveschaltungen nach Australien, nächtlichem Livestreaming der Abschlussmesse und einem eigenen „Prayerfestival“-Abend wurde die australische Begeisterung direkt nach Bayern geholt. Ein Beweis dafür: Der Geist des WJT kennt keine Grenzen und keine Zeitzonen.

Key-Facts:

  • Datum: 10. – 20. Juli 2008
  • Teilnehmer: 500.000 beim Abschlussgottesdienst
  • Hymne: „Receive the Power“
  • Besonderheit: Erst der zweite WJT auf der Südhalbkugel (nach Buenos Aires 1987)
  • JUGEND 2000: 175 Teilnehmer, 13 Priester
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